Khutse Game Reserve

13. April 2023 2 Von Bernd

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Nach 18 Tagen ohne WLAN (ja, liebe Kinder, das gibt es und man kann es überleben 😉) sind wir mal wieder online und können Euch mit Neuigkeiten versorgen.

Zuerst ging es vom Kgalagadi Park in die Diamantenminenstadt Jwaneng. Wir verlebten einem Tag mit typisch afrikanischem bunten, lebhaften Mittelstadtleben. Hier versuchten wir denn auch – brave Touristen, die wir sind – im Straßenverkehrsamt unsere Straßennutzungsgebühr für Botswana zu entrichten (an der Grenze in Two Rivers war das nicht möglich). Im großen und von außen modern anmutendem Verwaltungsgebäude fanden wir schnell das zuständige Amt mit einer großen Warteschlange vor dem einzigen besetzten Schalter. Uns wurde ein Wartemärkchen überreicht und wir reihten uns guter Dinge in die Gruppe der Wartenden ein. Wir entdeckten auch die Anzeige für die jeweils aktuelle Nummer, wir waren Nummer 36, die Anzeige stand auf 10, also beschlossen wir, zwischenzeitlich einkaufen zu gehen. Als wir wieder kamen, stand die Anzeige immer noch bei 10 und es war 40 Minuten vor Büroschluss. Also benutzen wir aktuell das Straßennetz als Nassauer😉
Vielleicht noch eine Bemerkung, zu „modern anmutend“, die mir hoffentlich nicht als chauvinistisch angekreidet wird. Auf unseren diversen Afrikareisen, bisher immer nur im „zahmen“ Afrika, haben wir den Eindruck, dass die Menschen viel schaffen und auf die Beine stellen können, es aber an der nachhaltigen Instandhaltung oftmals mangelt. So auch im modernen Verwaltungsgebäude. Ob es an der oft extremen Witterung liegt?
Die Batswana treten Fremden sehr höflich, oft hilfsbereit und etwas reservierter entgegen. Leider betonen sie die englische Sprache anders als wir, sodass selbst Tina manchmal vor Verständigungsproblemen steht.

Nach einer sich langweilig hinziehenden Fahrt über den 100 Kilometer langen Zubringer zum Khutse Game Reserve, der wie auch andere Zufahrten zum Central Kalahari Game Reserve eher dem Prinzessinnenweg im Mammutpark gleicht, erreichen wir die Einfahrt in das Tierparadies. Die Off Road Freunde unter Euch wissen, was ich meine. Für die anderen: Matsch, Sand, Tiefsand, Spurrillen, tiefausgefahrene Fahrspuren, Pfützen, Achterbahn ähnliche Auf- und Ab-Wellen wechseln sich in unregelmäßigen Zusammensetzungen ab. Ergänzt werden diese fahrtechnischen Besonderheiten, die eigentlich Durchschnittsgeschwindigkeiten von 20 bis 30 Km/h vorgeben, noch durch absolut unberechenbare Rinder, Esel und Ziegen, die die Fahrbahn oft todesmutig direkt vor dem herannahenden Auto überqueren oder ansonsten die Straße zur Fortpflanzung, zum Palaver, als Tränke oder einfach zum Rumstehen nutzen.
Wenn dann noch die in der Sonne modernden Pfützen als Toiletten genutzt werden, könnt Ihr Euch ausmalen, welch appetitliche Kruste das Auto bald überzieht.

Im Game Reserve selbst sprießt dank des reichlichen Regens überall dichtes Gras, die Büsche stehen ballig in der Gegend herum und auch viele Bäume treiben üppiges Blattwerk. Hin und wieder mutet die Wildnis wie ein großer Park an. Ein Park allerdings mit Extras: Bei der Einfahrt informierten uns die Wildhüter, dass im relativ kleinen Reserve, das allerdings direkt in das riesige Kalahari Wild Reservat übergeht, drei Löwenrudel unterwegs sind.
Auf der landschaftlich reizvollen Fahrt durch den Park, auf dem Weg zu unserer Campsite sehen wir eher weniger Tiere, der Bewuchs ist einfach zu dicht, wo er sich öffnet zeigen sich vereinzelt Springbock und Oryx. Zu unserer Freude entdecken wir aber trotz des Bewuchses auch eine erste Gruppe der grauen Dickhäuter.

im Khutse NP auf Pad

in Khutse auf Pad

Gewitterstimmung

Felgen in Wagenfarbe

Dusche besetzt

Den Löwen und den unterschiedlichen kleinsten Plagegeisern, die gerne schwirren, manchmal aber auch piksen oder beißen, geschuldet endet unser Lagerleben an den Campsites regelmäßig mit Einbruch der Dämmerung und wir ziehen uns in unser rollendes Heim zurück. Aber Dank der riesigen, Moskitonetzbewehrten Zeltöffnungen kommen weder die kühlende Abendbrise noch das „Draußenfeeling“ zu kurz.
Wolkenformationen über der Trockensteppe Kalahari sind einfach unbeschreiblich, da helfen nur die Bilder. Besonders eindrucksvoll gestaltet sich der Himmel, wenn irgendwo, nah oder fern, Regen oder gar Gewitter toben. Gerade während der Regenzeit, wenn sich die Sonne in und unter den Wolken bricht und spiegelt, sind Sonnenaufgang und Sonnenuntergang ein grandioses Feuerwerk. Wenn nachts wolkenfreie Sicht auf den Sternenhimmel mit Millionen von Sternen und die ganze Milchstraße herrscht, setzt sich das himmlische Panoptikum unversehens fort. Das Kreuz des Südens und der Orion leuchten deutlich erkennbar. Von unserem Bett haben wir bei geöffneter Dachluke mit jedem Blick nach oben die Sicht in die sternglänzende Unendlichkeit. Da man teilweise mehr als 80 Kilometer vom nächsten Menschen entfernt ist, beeindruckt diese Weite zusammen mit der Stille umso mehr.

Wolken 1

Wolken 2

Wolken 3

Wolken 4

Und die Löwen? Ja, die waren auch da. In einer Formation an einem Wasserloch: „Du, was ist das Hellbraune denn da?“ “Weiß` nicht, muss wohl ein komischer Baumstock sein, so breit und so hell.“ „Ja komisch“. Am Wasserloch nach einiger Zeit des Beobachtens: „Eigenartig, außer Vögeln treibt sich hier nichts rum, fahren wir wieder?“ „Ja, machen wir“. Und nachdem wir das Auto gewendet haben, entpuppt sich der Baumstock als ein kompaktes Arrangement von Löwen.galagadi Transfrontierpark

Der komische Baumstock

aufmerksame Blicke

was kommt von links?

egal, erstmal kuscheln

in alle Richtungen aufmerksam bleiben

Brüder auf Pirsch

kraul mich, wenn Du Dich traust…

Am nächsten Tag geht es weiter in das Central Kalahari Game Reservat, größer als ganz Dänemark, die Südhälfte ist extremst einsam. Das erste Camp für uns ist in ca. 80 km im Norden geplant, ca. 20 davon sollen Tiefsand sein. Nun ja, aus den 20 Kilometern Tiefsand werden 71,23! Gefühlt habe ich dafür über 30 Liter Kraftstoff verbraucht, was aber sicher auch an meiner noch nicht so sehr ausgeprägten Praxis im Tiefsandfahren lag: ohne Untersetzung mit hoher Motordrehzahl (3000 und mehr) erlaubt zwar zügiges Fahren, aber morscht den Spritvorrat. Am Abend ist großes Kopfrechnen angesagt: Bis zu 700 KiIometer liegen vor uns, wir haben noch ca. 230 Liter Benzin. Das muss reichen, 30 Liter auf 100 wären verfügbar. Es können ja nicht nur Tiefsandstrecken kommen und außerdem: Eine andere Fahrtechnik ist sicher effizienter. Tatsächlich zeigt der nächste Tag: Untersetzt im fünften Gang, mit ca. moderaten 1500 – 2100 Motorumdrehungen bei ca. 25 – 30 km/h bügelt Nyati den Sand. Das Schöne an dem massiven Motorkonzept: Merke ich, der Rollwiderstand wird größer, trete ich fest auf das Gaspedal, das max. Drehmoment liegt bei ca. 3700 U/min, da kommt also verzugslos noch eine Menge Durchzugskraft. Und in der Untersetzung ist ohne große Drehzahlsprünge auch schnell mal in den Vierten oder sogar den Dritten geschaltet. Ich schätze den Verbrauch dann entsprechend bei 20 bis 25 Litern. Und so bewahrheitet sich der alte Soldaten-, Outdoorer- oder Off Roaderspruch: „Use what you have!“
Aber mich bewegt eine andere Frage. Es ist Regenzeit, und die ist in diesem Jahr nicht Statistik, sondern nasse und häufige Realität. Einen vier Tonnen wiegenden Geländewagen aus Tiefsand zu bergen mag ja noch angehen, wir haben selbstverständlich alles was es dazu braucht und wir können mit Sandblechen, Winde, Wagenheber umgehen; aber was machen wir, wenn wir im sprichwörtlich BODENLOSEN Matsch einer vollgeregneten Tiefsandpiste hängenbleiben? Die Literatur beschreibt unsere Reisezeit als optimal, warnt allerdings vor Einzelfahrten auf der geplanten Strecke. Nun, der ADAC kommt mit Sicherheit nicht.
Also verschieben wir den Plan der Kalahari-Süd-Nord-Passage auf die Winterzeit oder eine Tour im Konvoi. Jana, Jutta, Reinhold, Ron, das wäre ein feines Abenteuer für uns!

Somit zurück über die Tiefsandpassage, durch Khutse, über die elende Zufahrt, um die lange Nordfahrt durch das CKGR im Osten zu umgehen und von Nordost wieder im Park einzutauchen.
Leider haben wir auf diesem Teil unserer Reise wenig und dann nur vereinzelt weitere Tiere gesehen. Der über lange Strecken dichte Buschbewuchs entlang der Pad trug sicher dazu bei.
Tatsächlich bricht am Ende der Zufahrt ein Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen los, dessen Dichte zum Anhalten zwingt und unserem Auto zu einer kostenlosen Wäsche verhilft. Dieser Regen zerschlägt jede Fahrspur und verwandelt auf den Pisten jede Pfütze in ein unkalkulierbares Hindernis.

Über die quirlige 250.000 Einwohner zählende Hauptstadt Gaborone mit einer Hotelnacht und eine weitere Zwischenübernachtung in Lethlakane erreichen wir dann endlich das Matswere Gate im Nordwestteil des CKGR. Die 50 Kilometer Zufahrt sind noch elender und ekliger als zum Khutse, weil wir unendlich viele Moderpfützen durchwaten müssen, wir erkennen unser eigenes Auto nicht mehr.