Central Kalahari Game Reserve

17. Januar 2026 2 Von Bernd

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Nach der Berge- und Reparaturhilfe während der Anreise verbringen wir Stunden im Badezimmer des Cresta Hotels in Francistown, um die Werkzeuge und vor allem die Schuhe vom kiloschweren Match zu befreien. Dazu brauchten wir natürlich die Stärkung durch ein gutes Abendessen und ein üppiges Frühstück.

Sisyphus war mit von der Partie insofern, als dass ein Mitarbeiter des Robins Camp am Vortag eineinhalb Stunden an unserem Auto geputzt und dabei besonders die Matschablagerungen unter dem Wagen beseitigt, und ich 28 Meter Windenseil akribisch von Sand und Schmutz befreit hatte. Nach den ca. 50 Kilometern vom Robins Camp zur Grenze bei Pandamatenga und der Bergung des Clio waren Fahrzeug und Windenseil schmutziger als zuvor.

Also kamen wir deutlich verspätet in Francistown (Frühstück, Badezimmer, s.o.) los und nach dem Auffrischen aller Vorräte in Letlhakane realisieren wir, dass wir ein echtes Zeitproblem haben um rechtzeitig das Gate vom Central Kalahari Game Reserve zu passieren, geschweige denn unsere geplante Campseite zu erreichen. Normalerweise reisen wir auf Asphalt mit gemütlichen 90 km/h, jetzt geht mit Tempo 130 nach Rakops, wo die 42 Kilometer lange Zufahrt zum CKGR beginnt. Wir kennen diese Strecke als tief ausgefahren, mit Kuhfladen und Wildkot bedeckt und durch eine ununterbrochene Abfolge von Lehmkuhlen gekennzeichnet. Unsere Erwartungen an die Route werden übertroffen, mehr als die Hälfte der Strecke steht unter Wasser, in den Lehmkuhlen steht es so hoch, dass das Wasser hin und wieder über die Motorhaube spült. Ein Grundsatz des Offroadfahrens besagt: „Fahre so langsam wie möglich (um maximal Kontrolle zu haben) und so schnell wie nötig (um die Masseträgheit, das Momentum, zu nutzen)“, ein anderer Lehrsatz besagt „Gewässer werden im zweiten Gang, untersetzt, stetig und kontrolliert durchfahren“.  

Aber wir wollen das Gate passieren und unsere Campsite erreichen, also wird aus Nyati ein Tragflächenboot, aus dem Reisemobil ein Trailfahrzeug. Im dritten oder vierten Gang untersetzt, über weite Strecken mit gesperrter Hinterachse und teilweise 3500 bis 4500 Motorumdrehungen geht es weiter und ich bin den Toyotaingenieuren, dem Custom Campers Team und Benjamin Krenzer von Buschmechanik, der das Fahrwerk angepasst hat, für ihre hoch professionelle Arbeit sehr dankbar. Unser Auto benimmt sich wie der namensgebende Wasserbüffel im vollen Lauf, er ist in seinem Element – sicher, fokussiert, widerstandsfähig und wendig. Tolles Auto!

Dass Tina und ich, als wir am Gate ankommen, schweißgebadet sind und ich nach 75 Minuten höchster Konzentration fix und foxy bin, versteht sich. Leider scheint die Finanzkrise Botswanas, der ehemaligen „Schweiz“ Afrikas, wegen seiner stabilen Verhältnisse und seiner Wohlhabenheit so bezeichnet, sich voll auf die Naturschutzbehörde niedergeschlagen zu haben. Das Torgebäude mit Büro ist total verkommen und verdreckt, statt akurater und motivierter Wildhüter lässt uns ein maximal unwilliger Mitarbeiter in den Park, dem Tina immerhin noch eine Notfallrufnummer entlocken kann, in den Park. Diese Notfallhilfe wird bezeichnenderweise durch eine private Lodge im Reservat wahrgenommen. Ach ja, unsere Campsite liegt 50 Kilometer weiter im Park und entgegen der Aussage des Mitarbeiters ist der Track dahin oft nur unwesentlich besser als der bisherige. Aber in eineinhalb Stunden wird die Sonne untergegangen sein. Ihr könnt erraten, was das für unseren Büffel, Tina und mich bedeutet.

Anhalter an der Autobahn nach Francistown

Steppe während der Regenzeit

Blütenpracht

Mittagspause im Schatten

Dinner: Chicken a la King

Digestif nach opulentem Mahl

Übernachtungsplatz am Rande des Deception Valley

Pallid Harrier zu Fuß

Straußenballett

Hmmm…gleich gibt´s Wasser

Das Central Kalahari Game Reserve ist mit 5,28 Millionen Hektar das zweitgrößte Wildreservat der Welt. Von zwei Lodges und wenigen Sansiedlungen am Rande abgesehen, ist es von Menschen unbewohnt, aber dafür tummeln sich in den Grassteppen, roten Sanddünen, ausgetrockneten Flusstälern und Salzpfannen viele Tierarten. Höhepunkt ist dabei sicher der April, wenn während der Migration Zebra, Eland, Gnu und Springbock aus dem Norden kommend hier Wasser und Nahrung finden. Raubtiere wie Löwe, Wildhund und Hyäne folgen diesen Wanderungen, sind aber auch wie die Impalas, die Oryx, Kudus und viele andere ganzjährig vertreten. Insgesamt ist die Kalahari keine Wüste, sondern eine Steppe und noch weitaus größer als die „Central Kalahari“.

Die Campsites liegen weit verstreut, leider meistens sehr versteckt in Busch- oder Bauminseln, sind duster und bieten wenig Übersichtlichkeit. Ausgestattet sind sie mit einem Plumpsklo und einem Haken für einen Wassereimer als Dusche. Aufgrund unserer Erfahrungen am Tor verzichten wir auf die Sanitäreinrichtungen. Tatsächlich haben wir bereits 2023 entgegen den Bestimmungen lieber Plätze gewählt, die rundum eine freie Sicht bieten. Für heute muss aber der vorgeschriebene und fliegenverseuchte Platz reichen, da uns die Zeit für die Erkundung eines besseren Platzes fehlt. Das Tageslicht schwindet rapide, aber immerhin sehen wir auf dem Weg zur Campsite Elefantenspuren.

In den folgenden Tagen finden wir traumhafte Biwakplätze an den Tracks, genießen die Weite und die Stille und treffen auf Gleichgesinnte, es kommt an der Deception Pan sogar zu einem Volksauflauf zwischen einem Bad Dürkheimer Winzerpaar (die Angebotsliste haben wir) einem irisch/schweizerischen Paar und uns am ersten Tag und bald darauf treffen wir noch auf ein österreichisches Pärchen, dessen addiertes Lebensalter ungefähr dem ihres Landrover entspricht. Die folgenden Tage erleben wir ohne weitere Begegnungen mit Homo Sapiens.

Dafür zeigen sich Strauß, Oryx, Springbock, viele Riesentrappen und Impalas, aber eher in homöopathischen Dosen, da sich das Wild auf die vielen, vielen Wasserstellen verteilt. Damit war zu rechnen. Überhaupt ist der Regen in diesem Sommer besonders ergiebig, was nach dem extremen Wassermangel der vorletzten Jahre ein wahrer Segen für Mensch, Tier und Umwelt ist.

Spaß machen uns neben der Einsamkeit natürlich die neugierigen und possierlichen Erdhörnchen, die Blicke in die unendlich erscheinende Landschaft, der atemberaubende Sternenhimmel, immer die Sonnenuntergänge und das Dinner am Abend, und wenn es dann noch zum „Chicken a la King“ einen Sauvignon Blanc gibt….

Der aktuelle Aufenthalt im CKGR stellt allerdings ein Intermezzo da, denn auf unser „Bucket List“ steht ganz fest die Süd-Nord-Durchfahrung des Reservats, allerdings sehr gerne mit Begleitung zu einer weniger heißen Jahreszeit (aktuell moderate 35 Grad Celsius) und viel mehr Tiersichtungen. Vielleicht wird das bereits diesen Oktober etwas?

kräftiger Oryxbulle

erfrischende Dusche im Busch

Tausendfüßler kommt zur Schuhanprobe

Nachtlager am Rand der Leopard Pan

Die Nacht senkt sich über die Steppe

Knickhorn

Riesentrappe/Kori Bustard

wachsame Erdhörnchen

dynamischer Oryx

Als wir das Reservat verlassen, versammeln sich Hartebeest, Gnu, Oryx, Springbock, Erdhörnchen und Riesentrappe zur Verabschiedung. Der Track zurück in die Zivilisation ist bereits deutlich abgetrocknet, aber immerhin noch so nass, dass der o.a. Land Rover der sympathischen jungen Österreicher mit einer offenen Motorhaube an einem Wasserloch steht. Daniel versucht mit WD 40 und Toilettenpapier die feuchte Verteilerkappe trocken zu legen. Unser Kontaktspray und das Angebot mit ihnen nach Rakops zu fahren und sie im Notfall abzuschleppen wird dankbar angenommen, allerdings machen das Kontaktspray und die abnehmende Anzahl tiefer Pfützen letzteres überflüssig. In Rakops werden wir Großarbeitergeber als wir an einer Tankstelle fragen, ob man unsere Autos waschen könne. Da es dafür keinen Preis gibt, mache ich ein Angebot, dass man nicht ablehnen kann, beide Tankwarte und der Securitymitarbeiter putzen unsere Autos, dass sie in vollem Glanz erstrahlen, ebenso wie die Gesichter der drei ob des unverhofften Einkommens und eines zusätzlichen Tipps.

Aufgrund der Regensituation verzichten Tina und ich auf den geplanten Aufenthalt in der  Sua Pan und fahren direkt an den Boteti – aber das wird ein neues Kapitel.