Die magischen Plätze Moremi Game Reserve – Savuti – Linyanti
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Ich glaube, für alle Wildnisfreunde, die sich mit Afrika beschäftigen, besitzen Moremi – Savuti – Linyanti einen magischen Klang: Was z.B. die MoMas und der Louvre für den Kunstliebhaber, Monaco und der Nürburgring für den Formel 1 Fan, das sind diese Gebiete für den, der die afrikanische Tierwelt hautnah, persönlich und unvermittelt erleben will: etwas ganz Besonderes. Trotz einer gewissen touristischen Campinfrastruktur mit Waschgelegenheiten und Ansprechpersonal regiert hier die Wildnis. Elefanten, Löwen, Nilpferde, Hyänen und Honigdachse halten sich mit der größten Selbstverständlichkeit auf den verstreuten Campingplätzen auf und bestimmen durch ihre tatsächliche oder auch nur potentielle Anwesenheit das Verhalten der menschlichen Besucher.
Selbst jetzt im Herbst steigen die Nachmittagstemperaturen leicht auf über 37 Grad und der oftmals schneeweiße Sand mancher Fahrspur blendet den Autofahrer. Autofahren ist ein eigenes Thema: Ich hatte bei dem Bericht über das Central Kalahari Game Reserve ja schon mal über Tiefsand gesprochen, dabei allerdings vergessen, was wirklicher Tiefsand ist. Auf der Sand Ridge nach Savuti und vor allem auf dem Weg an die Linyanti Sümpfe kommt bei unter 2 bar Reifendruck doch häufiger der untersetzte dritte oder gar der zweite Gang zum Einsatz. Schlaglöcher, in die Spur hereinragende Äste, die drohen am Fahrzeugboden etwas abzureißen oder die Reifen zu durchlöchern, und besonders kurz vor dem Auto die Pad überquerende Tiere erfordern die permanente Aufmerksamkeit des Fahrers. Besonders wenn über Kilometer der Busch- und Baumbewuchs so eng ist, dass Zweige und Äste dauernd an der Karosserie kratzen (Nyatis Lackierer stünde sicher das Wasser in den Augen, wenn er das Auto heute sehen würde) und durch die geringe Sichtweite, welche oft nur Meter beträgt, nicht erkennbar ist, was direkt neben dem Weg im Unterholz unterwegs ist.
Zwei große Gefahren reichern das Fahrerlebnis an: das Schlimmste wäre, in einen die Pad querenden Elefanten hereinzufahren. Abgesehen von dem Aufprall auf ein 4 bis 6 Tonnen schweres Hindernis wäre mit einer sehr verärgerten Reaktion des Tieres zu rechnen. Etwas weniger schlimm ist der Zwang im Tiefsand Momentum, also Geschwindigkeit, aufzubauen und dafür in Kauf zu nehmen, dass massive Äste gegen die Karosserie hämmern.
Moremi Game Reserve – Willkommen im Paradies
Bereits die Anfahrt aus Maun kommend entwickelt sich zur Elefantenparade, beiderseits der Fahrstrecke zum Gate tummeln sich die Dickhäuter an kleinen Wasserlöchern oder Lehmkuhlen. Auch Zebras und Kudus lassen sich blicken und sind ein Vorgeschmack auf die zu erwartenden Tierbeobachtungen, hier „Sightings“ genannt.
Als wären die oben beschriebenen Beschädigungsmöglichkeiten an Nyati nicht eh groß genug, donnere ich beim Rückwärtsfahren am Gate – ich wollte mal nett sein und andere vorlassen – mit der Hecktüre gegen einen Baum. Der optische Schaden hält sich in Grenzen, allerdings ist die Tür nun deutlich weniger staubdicht und Wasserdurchfahrten von mehr als 70 cm Wasserhöhe sind erst mal tabu. Mal schauen, wie wir das Malheur auf Dauer lösen. Vordringlich ist wichtig, dass der tragende Rahmen der Tür nicht weiter reißt.
Bereits auf unserer Fahrt zu unserer Campsite „Third Bridge“ nimmt uns die Ausgesetztheit und Unberührtheit der Natur gefangen. Außer einigen Fahrspuren auf zig Kilometer nur echte Wildnis. Bäume, wie wir sie in ihrer massiven Urigkeit in Europa selten sehen. Verzweigte Wurzeln, verzweigende Stämme und breitausladendes dickes Astwerk mit dichten Laubkronen. Häufig stockt auf den Stämmen oder den Ästen neuer Bewuchs auf. Akazien, Mahagoni, Teakholz und Kastanien sind typische endemische Baumarten. Das Holz der Bäume ist oft härter als das von Eichen. Wir stellen uns vor, dass einige der Bäume uralt sein müssen. Sie bilden ein Zuhause für eine Vielzahl von Vögeln, Fledermäusen und Insekten und besonders die lebhaften Baumhörnchen tollen hoch mobil in ihnen herum.
Third Bridge impliziert, dass es eine erste und zweite Brücke gibt, tatsächlich gibt es auch eine vierte und sogar noch eine fünfte. Die ersten vier sind recht spannend und gleichen eher Knüppeldämmen als echten Brücken. Jetzt im April, trotz Regenzeit, ist die Region recht trocken und die Pads ebenfalls. Wenn ab Juni, als Folge der gerade zu Ende gehenden Regenzeit im angolanischen Hochland, das Okavangodelta und die angrenzenden Flood Plains, Sümpfe und Flüsse volllaufen, gestaltet sich das Befahren der Gegend, wie wir im Dezember 2014 erfahren haben, eher zur Bootstour und das Auto ist fast genauso häufig bis zur Windschutzscheibe unter Wasser als dass die Reifen einmal alle vier sichtbar sind.
Nun sehen wir, besonders an den Wasserlöchern, große Mengen von Gnus und Lechwe (Rote Moorantilope). Zebras und Impalas sind immer in großer Zahl dabei, genau wie Enten, Gänse, viele weitere Wasservögel und Giraffen. Seltener sind Kudu und Wasserbock zu beobachten. Na klar, die Elis sind auch immer da. Hippos, Hyänen und Löwen hören wir oft, allerdings ohne sie zu sehen. Bei der Anfahrt zu unserer Camp Site werden wir vor den frechen Pavianen gewarnt. Dass wir uns unsere Camp Site für die nächsten drei Nächte mit einen Gruppe Elefanten teilen müssen, finden wir selbst heraus.
Kochen, Essen und Relaxen mit 15 bis 20 Meter entfernt an den Bäumen kauenden Elis wird so zur Gewohnheit, der häufige Blick über die Schulter aber auch.
Die Paviane kapieren schnell, dass sie Abstand halten sollen und belästigen uns nicht, allerdings nehme ich mir ihnen gegenüber auch ein deutlich mehr Raum heischendes Auftreten heraus als den Rüsseltieren gegenüber – es ist halt alles eine Frage des Potentials😉…
Wir verbringen unsere Zeit hier mit Gamedrives, Tierbeobachtungen, Verzaubertsein und Relaxen an der Campsite. Tina und ich genießen die Zauberwälder an der Sumpfkante in denen man sich aufgrund ihrer labyrinthischen Anlage ohne Navigationshilfen echt verlieren kann. Willkommen im Paradies! Willkommen im Paradies? Für uns Menschen mit unseren stabilen und zuverlässigen Autos, Wasservorräten (oder Biervorräten😉) und all unseren Hilfsmitteln, ja. Für die Tiere und Pflanzen – auch wenn alles so still und friedlich scheint – ist das Paradies ein permanenter Kampf um das Überleben. Fressen oder gefressen werden. Schutz vor der gnadenlosen Sonne, Bedarf an Wasser, Schutz vor dem steigenden Wasser und vor der Kälte der Nacht (Temperaturschwankungen von 25 Grad und mehr zwischen Tag und Nacht) und der manchmal bis zum Tode ausgetragene Kampf um das Recht zur Fortpflanzung sind für sie existenziell!
Savuti – Schrecken und Himmelreich
Savuti mit dem einst berühmtesten Campplatz Botswana – „Duschen Aug´ in Aug´ mit dem Elefanten“ (Ilona Hupe, Reiseführerautorin). Nun gut, beim Duschen nicht mehr – aber allemal gilt das beim Kaffeetrinken immer noch.
Allein die Anfahrt ist Sport – ca. 60 km über eine Sand Ridge oder durch Marshland. Das freut die Tankstellenbetreiber, die aber erst wieder in 150 Kilometern Entfernung zu finden sind.
Dafür die Landschaft: Ernest Hemingway´s „Die grünen Hügel Afrikas“ lassen grüßen und gehen mir nicht mehr aus dem Sinn. Leopards Rock, Kudu Hills, Quarry Hill, eine große Zahl Pfannen, hier besonders Harveys Pan oder Marabou Pan, die grenzenlos erscheinende Marsh charakterisieren das Gebiet. Sand (teilweise so schwer, dass ein „Fussmarsch“ von 100 Metern anstrengender erscheint als eine einstündige Strandwanderung an der Nordsee) Mopane, Baobabs, Hakenbusch, Steppe, andere Baumriesen, Gräser, Dornen, Fliegen, wenig Mücken (erfreulicherweise) und neben den bereits aufgezählten Tieren auch so besondere Vertreter wie das Tsessebe oder mein besonderer Favorit, das Roan (Pferdeantilope), Kudus und Büffel, Warzenschweine, verschiedene Mangusten uvam – alles das gibt es in Savuti.
Wir stolpern fast über die vielen Elefantenbullen. Dass gleich einer zügig, schnurstracks und sehr zielstrebig auf unser Auto zu marschiert ist, wie uns später ein Wildhüter erklärt, wohl mit der grassierenden Brunftzeit, „Must“; zu erklären. Wir werden noch zwei weitere Male die Beschleunigung von Nyati nutzen, um uns einer näheren Diskussion mit einem Elefantenbullen zu entziehen.
Gleich am ersten Nachmittag treffen wir auch auf eine Löwin, die sich wahrscheinlich wegen ihres Nachwuchses kurzzeitig von ihrem Rudel gelöst hat. Das Brüllen und Keuchen der Löwen werden wir bis zu unserer Abfahrt von Linyanti jede Nacht hören.
An der Marabou Pan werden wir Zeuge eines Elefantenstammtischs: Mehr als zwanzig Bullen stehen zeitweise zusammen, es ist ein ständiges Kommen und Gehen. Schlammduschen, Baden, Trinken, Beschnuppern, Sichwegschieben, minutenlanges Fixieren, aber keine echten Kämpfe können wir beobachten. Solche Bullenversammlungen sind uns ganz neu. Einzelgänger, Duo, ein Alter mit zwei Jungs oder kleine Bullengruppen (drei bis fünf Tiere) sind uns geläufig, aber solche Bullentreffen kannten wir bisher nicht. Ich werde nachlesen, was es damit auf sich hat.
Endlich finden wir am nächsten Tag auch Kühe und Kälber, teilweise ganz frisch geworfen, am übernächsten Tag ein Artentreffen mit mehreren Gruppen, tw. mehr als 20 Tiere aller Altersgruppen und Geschlechter, wobei es uns die Kleinsten natürlich besonders angetan haben.
Überhaupt sehen wir jetzt am Ende der Regenzeit sehr viele Jungtiere aller Arten. Sicher sind alle Tiere für sich beeindruckend, manche herzerwärmend schön, alle Achtung und Respekt verdienend, aber natürlich sind die „Klentjes“ oft besonders possierlich.
Ich brauche nicht zu erwähnen, dass wir unseren Campplatz wieder mit Elefanten teilen durften? Und außer den Großen waren auch die Kleinen vertreten. Eine Rotte Zwergmangusten und einige Baumhörnchen wohnten mit uns auf Camp Site 9.
Ach ja. Sehr außergewöhnlich war auch, dass die benachbarte Camp Site von einer größeren Gruppe Uruguayern belegt war. Das sind die ersten Südamerikaner, die wir bewusst im Busch getroffen haben.
Vielleicht noch zwei Dinge zum Umgang mit Elefanten:
Elis sind oft relativ entspannt, aber wenn sie ihr Wegerecht in Anspruch nehmen, denken ihre Kälber schützen zu müssen oder einfach ihren Testosteronhaushalt nicht im Griff haben, sagen Wildhüter, andere Vielreisende und auch Tina und ich: „Give way!“
Manchmal gibt es Stimmen, die sagen, Menschen machen Elefanten keinen Platz, die Tiere gewöhnen sich dann nämlich dran, dass sie Menschen wegscheuchen können. Also: „Stay your ground“
Nun, was sicher bei Haiangriffen oder bei Raubtierangriffen während eines Fußmarsches in Teilen sinnvoll ist, Löwe, Hai, Rhino und Elefanten sind eh schneller, verkehrt sich für uns, wenn ich mich mittels meines Autos zügig aus einer konfrontativen Situation entfernen kann. Ich bin Gast in einem Tierreservat. Die Tiere leben hier und sollen sich entfalten. Wir sind nur Besucher, oft Störer. Wir reisen nicht, um unsere Nervenstärke oder unsere Blödheit zu dokumentieren und machen von daher gerne Platz.
Selbstverständlich gibt es einige Vollprofis, Elefanten- oder Löwenflüsterer, die durch viel Lernen, Erfahrung, Beobachtung und sicher Respekt den Tieren gegenüber Dinge tun können, die für Touristen, Möchtegerns und Machos tabu sind. Wir selbst kennen einen Guide, der mit Safariegästen im offenen Wagen an wilde, frisch geworfene Löwenjunge heranfährt, beruhigend auf die Löwenmutter einredet und so unvergleichliche Erlebnisse und Fotos ermöglicht. Und es gibt das Video auf youtube, in dem ein Guide/ Berufsjäger einen angreifenden Elefantenbullen allein durch Armheben stoppt. Aber es gibt auch die Lagerfeuergeschichte über den Tourguide, der gleiches versucht hat, um sich vor seinen Gästen zu produzieren. Der war danach platt – wortwörtlich.
Dabei ist es hilfreich, die Körpersprache der Tiere erkennen und werten zu können, um zu unterscheiden, ob ein Tierangriff ein echter Angriff oder ein sogenannter Mock Charge ist. Aber sicher gibt es dabei, wie in der zwischenmenschlichen Kommunikation, die Gefahr der Fehlinterpretation😉.
Und die zweite Sache, auch wenn ich jetzt bestimmt den ein oder anderen vor den Kopf stoße und verärgere: Ich schreibe von der Schönheit, der Majestät der Tiere und dem Respekt, den wir Menschen auch vor Tieren und der Schöpfung allgemein haben sollten. Botswana ringt um seine Position gegenüber der Trophäenjagd, dem Jagdtourismus und damit auch gegenüber der Elefantenjagd. Mit ausgewiesenen Fachleuten (z.B. Dr. Baldus, langjähriger renommierter Berater für das Selousgebiet) und dem WWF bin ich der Meinung, dass nachhaltige Jagd und damit auch Trophäenjagd das beste Instrument des Natur- und Artenschutzes und besonders auch des Elefantenschutzes und ein wirksames Bollwerk gegen Wilderei ist. Umsätze aus der Trophäenjagd kommen z.B. in Namibia und in Südafrika dem Naturschutz und dem Ausgleich der durch Wildtiere geschädigten Farmer zugute.
Linyanti – das Finisterre Botswanas
Von Savuti nochmals über eine spritfressende Sand Ridge nach Norden und dann stehen wir am Ufer des Linyanti, der mal der Kwando war und zum Chobe wird. Der Linyanti ist hier der Grenzfluss zu Namibia und mäandert in ein weites Sumpfgebiet. Für Selbstfahrer steht hier nur ein knapper Uferstreifen für Gamedrives zur Verfügung, warum also hier hinfahren?
Weil die Löwen rufen, die Hippos grunzen der Sumpf rätselhaft und unergründlich vor uns liegt, weil riesige Bäume Schatten spenden, weil die Nacht voller rätselhafter Geräusche ist, weil…..
und weil wir es wollen!
Begeisterung 👍 eine Reise die mich vom Hocker schmeißt 👍danke das ihr mich mitnehmt auf euer Abenteuer 🍀 macht weiter eure Reise darf nie mehr enden👍grandiose Fotos ergreifende Berichte
Ein dicker Kuss für euch beide
Udo
Fühl Dich geknuddelt!